|
Die Westside Story aus dem Jahre 1957, erste deutschsprachige Aufführung war am 25. Juni 1968 in Wien. Die traurige Geschichte zweier verfeindeter Gangs und die traurige Geschichte der Liebe zwischen Maria und Tony werden erzählt Die zum Teil sehr einfühlsame, aber auch düstere Musik stammt aus der Feder von Leonrad Bernstein.
Ganz anders dagegen das Musical “Cats”, Uraufführung 1981 in London, 1982 Broadwaypremiere und 1983 Erstaufführung in Wien. Katzen beherrschen das Bühnenbild, da wären Mungojerri, Rumpelteazer, Gus der Theaterkater, Mister Mistoffelees und nicht zu vergessen die Katzendame Grizabelle. Wer im Zuschauerraum sitzt muss jederzeit damit rechnen, dass neben ihm eine Katze auftaucht. Das Geschehen spielt sich auf einem mit Müll beladenen Hinterhof ab, dort sind die Katzen zu Hause. Temperamentvolle Musik von Andrew Lloyd Webber versetzt einen in eine Märchenwelt.
Um 1900 entstand in den USA diese Form der musikalischen Komödie. Sie vereinte Elemente der Operette, des Varietes und des Schauspiels miteinander, ebenso dazu gehören Tanz und Balletteinlagen. Keine andere Theatergruppe ist so dem Trend der Zeit unterstellt, wie das Musical.
Eine endgültige Definition dafür zu finden ist sehr schwierig. Wer sich ein wenig mehr mit dem Thema beschäftigt, wird feststellen, das es eine ganz eigene Welt ist. Manchmal märchenhaft, manchmal fantastisch oder utopisch und manchmal sogar spannend. Das Musical will seine Zuschauer unterhalten. Die Fachwelt behauptet, das das Hauptziel heute allerdings wohl der Gewinn ist. Und Gewinn bringen natürlich vor allem Musical, die über einen langen Zeitraum gut besucht werden. Wie z.B. das Phantom der Oper.
Ich weiß nicht wie viel Vorstellungen allein in Hamburg gelaufen sind, drei davon habe ich gesehen. Es ist für mich eines der schönsten Musical. Die Dekoration, die Technik, die Musik, einfach herrlich. Wer dort war, kenn das Schreckgefühl, wenn der Kronleuchter von der Decke über die Köpfe der Zuschauer saust. Oder aber die Melankoli, die einen erfasst, wenn das Phantom mit Christine tief in den Gewölben der Oper mit einer Barke über den unterirdischen See rudert und singt.
Der Broadway, die 25 Meilen lange Straße, die sich vom Südzipfel bis hinauf in den Norden Manhattans zieht, steht sicherlich mit der Entwicklung des Musicals in engem Zusammenhang Ganz viele Stück sind dort entstanden und hatten auch ihre ersten großen Erfolge am Broadway. Fachleute behaupten, das das Musical die amerikanische Antwort auf die aus Europa importierte Operette sei. Was unterscheidet denn das Musical von einer Operette: Die Bühnenshow ist wesentlich wichtiger und genießt unbedingten Vorrang. Der zugrunde liegende Stoff wird oft frei gestaltet. Häufig bezieht das Musical Stellung zu aktuellen Themen, teilweise behandelt es sogar politische und kulturelle Fragen. Aber ebenso kann es sozialkritisch, wie z.B. bei der Westside Story sein Diese Vielseitigkeit ist aber für den Zuschauer besonders interessant. Jedes Musical übt seinen eigenen Reiz aus, der Besucher darf auf das kommende Geschehen gespannt sein Oft sind es schon die Dekorationen und das Flair des speziell für ein Musical gebautes oder auch umgebautes Theater, das in eine andere Welt entführt und uns die Wirklichkeit mit den täglichen Sorgen und Nöten vergessen lässt. Dabei ist es egal ob das Stück lustig, spannend oder auch traurig ist.
Jesus Christ Superstar, am 03. April dieses Jahres wurde es im Mindener Stadttheater gezeigt. Ich habe es gesehen und fand es toll! Obwohl alles in englischer Sprache vorgetragen wurde, hatte der Zuhörer keine großen Problem den Inhalt zu verstehen. Die Musik allein war so ausdrucksstark, dazu kam das Bühnenbild, die Gestik und die Mimik der Darsteller.
Die Uraufführung dieses Musicals war am 12. Oktober 1971 in New York, die Musik stammt von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice. Die letzten 7 Tage im Leben Jesu Christi werden beschrieben. Erzählt wird aus der Sicht von Judas Ichariot, der aber nicht der Verräter aus der biblischen Geschichte ist, sondern ein ganz normaler Mensch, der sich um Jesus und die Menschheit sorgt. Obwohl religiöse Gruppen den Vorwurf des Antisemitismus erhoben, wurde das Musical mit 720 Vorstellung ein großer Erfolg. Mich hat das Stück sehr beeindruckt, ich habe den Heimweg danach doch etwas nachdenklich angetreten.
Der krasse Gegensatz dazu war dann etwa 4 Wochen später das Musical Buddy Holly, das in der Stadthalle Lübbecke gezeigt wurde. Mit fetziger Musik fühlte man sich ganz schnell in die Zeit des Rocken Roll versetzt. Hier dreht sich alles um Charles Hardin Holly, den junge Mann aus Texas. Die Zuschauer erleben die wichtigsten Stationen in seinem Leben von Beginn seiner Karriere 1956 bis zu seinem Tod durch einen Flugzeugabsturz im Jahre 1959 Nach diesem Abend bin ich fröhlich “trällend” und mit leicht federndem Gang nach Hause gefahren.
Beides sind Musical, beide schön, aber welch Unterschiede.
Von den Künstlern werden Spitzenleistungen gefordert, denn der Erfolg ist das einzige was zählt und was ein Musical überleben lässt. Sie müssen das Singen und Tanzen sowie die Schauspielkunst beherrschen. Ein schwerer Beruf, mit einer harten Ausbildung, aber für manche ein Traum oder aber auch eine Herausforderung.
Les Miserable Dieses Musical stammt aus dem Jahre 1985 und erzählt die Geschichte des entlassenen Sträflings Jean Valjean. Die Handlung beruht auf dem Roman Viktor Hugos. Fantine wird zur Prostituierten um das Geld für den Lebensunterhalt Ihrer Tochter Cosette aufzubringen. Trotz Zahlung der notwendigen Kosten wird das Kind von den Pflegeeltern sehr schlecht behandelt. Cosette ist immer traurig.
Joseph, ein ganz anderes Musical: Wie auch bei Jesus Christ Superstar liegt diesem Stück eine biblische Geschichte zugrunde. Es geht um Joseph, den Sohn von Rachel und Jakob und seine 11 Brüder. Auch hier war das Team Andrew Lloyd Webber und Tim Rice wieder an der Arbeit. Dieses Musical hat eine lange Entstehungsgeschichte. Es begann 1967 mit einem Frühjahrsabschlusskonzert der Colet Court School in Londen und endet am 27 Februar 1982 bei der Premiere, wie kann es anders sein, am Broadway. Die deutschsprachige Erstaufführung von Joseph war am 13. Dezember 1996 im Colosseum in Essen. Ich habe es vor einigen Jahren dort gesehen. Konnte mich aber, im Gegensatz zu Jesus Christ Superstar, nicht so recht damit anfreunden, erst nach der Pause habe ich den Zugang zu diesem Stück gefunden. Alles ist sehr modern gemacht und wirkt sehr unwirklich, agressive Farben, manchmal schon fast kitschig, bestimmen das Bild. Aber was ist schon Kitsch? Besonders toll an diesem Tag war, dass ich die Möglichkeit hatte hinter die Bühne zu schauen. Es war einfach überwältigend, die Bühnentechnik und die Requisiten zu sehen und auch oberhalb der Bühne zu stehen und für alles Erklärungen vom Bühnenmeisters zu bekommen.
Starleiht Express, ein Musical, bei dem der Zuschauer schon vor Beginn der Vorstellung aus dem Stauen gar nicht herauskommt. Die Starleiht Express-Halle in Bochum wurde besonders gestaltet: eine kreisrunde Spielfläche mit Tunneln, Brücken im Hintergrund, eine gigantische Stahlkonstruktion über der Bühne und vieles mehr lassen vor ab keine Langeweile aufkommen. Irgendwann, man merkt die Zeit gar nicht, setzt die rockige Musik ein. Laserlicht, menschliche Lokomotiven und Rollschuhfahrer bestimmen das Bild. Man bekommt ein Märchen des 20-igensten Jahrhunderts geboten.
Hier noch einige der wichtigsten Musical aus den Anfängen.
No No Nanette, Broadway-Premier am 16. September 1925, sicherlich eines der frühesten Musical. Es bot lustige Unterhaltung mit viel Verwirrungen und einer damals doch recht fragwürdigen doppelten Moral. Schon allein wegen der flotten und eingängigen Musik gab es immer wieder Neufassungen. I Want to be Happy oder Tea vor Two wurden beliebte Evergreens.
Weiter ging es 1927 mit dem Musical Show Boat,
1935 folgte in New York die Uraufführung von Porgy & Bess, Musik von George Gershwin, Sumertime, wer kennt es nicht?
Oklahoma, 1943 Uraufführung in New York, es gab sage und schreibe 2.248 Vorstellungen, welch ein Erfolg.
1948 folgte Kiss me Kate. Grundlage war Shakespeares “Der Widerspenstigen Zähmung”, die Musik stammt von Cole Porter. Dieses Musical war der erste ganz große Export in die gesamte Welt. Es gab wohl kein Land der Erde, in dem es nicht aufgeführt wurde. Spektakulär war die deutsche Inszenierung, die jahrelang in Berlin lief.
Die Welt des Musical, faszinierend und bunt
|